Leserbriefe der

vom 10.02.2010

Es wird bewusst vertuscht und beschönigt

Zum Leserbrief »Es wird bewusst polarisiert und verallgemeinert» von Christian Schulz, Jabel, und Christian Carmienke, Dannenberg (EJZ vom 5. Februar)

Die Herren Schulz und Carmienke haben äußerst schwache Argumente für agrar-industrielle Hähnchenställe zusammengekramt: Die behauptete »Spaltung der Bevölkerung» gibt es nicht, die Bürgerinnen und Bürger sind fast alle gegen nicht tier- und umweltgerechte Agrarfabriken und für Bauernhöfe. Die Front verläuft nicht zwischen »guten Bauern» und »bösen Bauern», sondern zwischen Bürgern und Bauern einerseits und agrarindustriellen Konzern-Systemen andererseits: Die allermeisten Landwirte lehnen es ab, sich als total abhängige Vertragsmäster in die von Wiesenhof, Rothköttter und Co.

dominierten Strukturen eingliedern zu lassen.

Die Grenzen zwischen industriellen Agrarfabriken und Landwirten sind vom Gesetzgeber im Bundesimmissionsschutz-Gesetz klar definiert. Der Widerstand gegen Großanlagen verhindert die Verlagerung der Schweinehaltung weg von mittelständischen Schweinehaltern, hin in außerlandwirtschaftliche Konzerne und soll die Geflügelhaltung wieder auf die Höfe holen (wie derzeit nach dem Ende der Käfighaltung in der Legehennenhaltung).

Dies sollen die abstrusen »Beispiele» »zehn Hühner hinterm Schuppen» und 10000 in einem »modernen Klimastall mit optimierter Fütterung» verwischen. Ebenso, dass einseitige Qualzucht mit Haltung von 25 Hähnchen je Quadratmeter auf ihrem eigenen Kot zum Einsatz von Antibiotika an 10 % der Masttage und zu massiver Fußballendermatitis führen. Betriebszweig-Auswertungen der Kammern belegen: Mehr als die Hälfte der Mäster erhält keine ausreichende Arbeitsentlohnung und Eigenkapital-Verzinsung. Der Verbrauchszuwachs im gesättigten Markt für Hähnchenfleisch reicht jährlich bestenfalls für 70 Ställe - bis Mitte nächsten Jahres ist bundesweit eine ruinöse Flut von 600 bis 700 Ställen geplant.

Zynisch, die Ruinierung von Bauern in der Dritten Welt durch den subventions-gedumpten Export von überschüssig erzeugten Hähnchenteilen zu leugnen versuchen. Auch die Zahl von angeblich vier Arbeitsplätzen pro Stall ist falsch - der Vertragsmäster muss 500000 Euro finanzieren für knapp einen halben Arbeitsplatz (900 Akh pro anno). Parallel werden Arbeitsplätze auf Bauernhöfen zerstört.

Das Futter-Eiweiß der Konzerne stammt aus Übersee, auch aus Regenwald-Zerstörung. Dass Wiesenhof gentechnikfreies Soja einsetzt, ist gut, aber dem Druck beispielsweise von Greenpeace und AbL zu danken. Es bleibt trotzdem ein Irrsinn, mit importiertem Futter hier bei uns massive Hähnchen-Überschüsse produzieren zu lassen, durch die unsere Regionen zugeschissen werden, durch die Landwirte kein Geld verdienen und die mit Steuergeldern auf dem verstopften Weltmarkt zu entsorgen sind.

Es bleibt dabei: »Bauernhöfe statt Agrarfabriken» und »harte Fakten statt Agrarindustrie-Propaganda».

 

 

Eckehard Niemann,

Bienenbüttel, AbL

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